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| ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 | ||||||||||||||||||||||
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C. Valerii Catulli carmen LXXII( unter spezieller Berücksichtigung voncarmen VIII und carmen LXXXV )I. EinleitungDie Auswahl der Gedichte, die mit carmen LXXII in Zusammenhang stehen, ist
eine zugleich leichte und doch schwierige Aufgabe. Da fast alle Gedichte Catulls
von seiner Beziehung zu Lesbia, viele vom Ende der Beziehung handeln, lassen
sich ebenso viele mit dem Gedicht LXXII in Zusammenhang bringen. Als Beispiele
seien hier nur die carmina LI, LXXV und LXXVI genannt. Mir erschienen die
Gedichte VIII und LXXXV angemessen, da sie meiner Meinung nach den Wandel
innerhalb der Gefühle Catulls zu Lesbia deutlich darstellen. Diesen Wandel
darzustellen und zu untersuchen, soll insbesondere im letzten Abschnitt, dem
Vergleich der drei Gedichte, Ziel dieser Arbeit sein. Besonders will ich das
carmen LXXII in den Vordergrund stellen, da ich denke, daß es den
entscheidenden Punkt innerhalb dieser Entwicklung markiert.
Eine nähere Betrachtung des Synonyms Lesbia und der Frage, welche
Gedichte auf Lesbia bezogen sind, soll hier nicht erfolgen. In den drei
vorliegenden Gedichten gehe ich aufgrund der bewegten und bewegenden Schilderung
Catulls, wie auch die Sekundärliteratur allgemein, davon aus, daß
Lesbia angesprochen ist.
II. Das carmen LXXIICarmen LXXII, das mit zu den Abschiedsgedichten Catulls gezählt wird,
drückt den Gefühlskonflikt aus, in dem sich Catull befindet. So ist
auch das Gedicht voller Widersprüche: Catull unterscheidet zwischen
dicebas und dilexi, also der bloßen Beteuerung und dem
wirklichen Gefühl, zwischen tenere und dilexi, dem
körperlichen und dem emotionellen Aspekt der Liebe, zwischen uror
und es vilior, der Leidenschaft und der Vernunft, zwischen amare
und bene velle, der Liebe und der Hochachtung. Diese Gegensätze
werden schon zu Anfang des Gedichts deutlich, das zweite Wort quondam
weist schon das Thema des Gedichtes aus, wobei dieses quondam nicht
direkt als “einst”, also als ein Hinweis auf ein weit in der
Vergangenheit liegendes Ereignis, zu verstehen ist, sondern vielmehr die
deutliche Trennung zwischen dem, was gewesen ist, und dem, was Catull nun
schmerzlich erfahren muß, symbolisieren soll. Das dem so ist, wird in
Zeile 5 durch das nunc te cognovi deutlich. Durch diesen Ausdruck wird
klar, daß es Catull nicht nur auf die Beteuerungen Lesbias ankommt,
sondern vor allem auf seine damit verbundenen Gefühle.
Zu sehen ist dies auch in dem dilexi, wobei Catull selber dieser Ausdruck
nicht exakt genug ist. Dies ist insbesondere im damaligen Zusammenhang zu verstehen,
daß der romantische Aspekt der Liebe nicht in dem Maße betont wurde,
wie in der heutigen Zeit, in der das Wort “lieben” den emotionellen
Gesichtspunkt sehr viel stärker beinhaltet. Die antiken Leser konnten den
Text und die Probleme Catulls somit nicht ausreichend verstehen. “Am Ende
erweist sich der Ausdruck als Mißgriff. Es stand kaum zu erwarten, daß
Catulls Zeitgenossen die richtigen Gedankenverbindungen herstellen würden.
... Man darf füglich daran zweifeln, daß Catull verstanden wurde
- vielleicht deshalb, weil er selbst seine eigenen Gefühle nicht klar verstand.”.
So ist auch die folgende Erklärung zu verstehen, in der Catull dieses dilexi
näher beschreibt, er würde Lesbia nicht nur wie der vulgus
lieben, sondern wie ein Vater seinen Sohn oder seinen Schwiegersohn. Bei der
Übersetzung von vulgus tritt ein besonderes Problem auf. Eisenhut übersetzt
es mit Pöbel, “Damals liebte ich dich, nicht so wie der Pöbel
ein Liebchen ...”. Dieses Wort ist in der heutigen Zeit mit
Herablassung behaftet, Catull geht es jedoch darum, seine Liebe klarer darzustellen,
ohne die Liebe der anderen abzuwerten. Passend empfinde ich dagegen die Übersetzung
von amica mit “Liebchen”, da es den Unterschied zwischen
Catulls tiefer, inzwischen leidender, Liebe zu der allgemeinen, doch eher oberflächlichen
Liebe gut ausdrückt.
Besonderes Augenmerk verdient auch die Beschreibung des dilexi als einer
Liebe wie der eines Vaters zum Sohn oder eines Vaters zum Schwiegersohn, wobei
ich besonders letzteres hervorheben möchte. Meiner Meinung nach irrt Kroll,
wenn er vermutet, daß Catull “ohne Verszwang wohl nur die Kinder
erwähnt hätte”. Vielmehr vermute ich, daß Catull
seine Liebe auf eine vollkommen emotionale Stufe stellen wollte, er wollte sie
von jeglichem physischen Aspekt lösen. Und während die Liebe des Vaters
zu seinem Sohn ja noch durch die Blutsverwandtschaft erklärt ist, kann
der Liebe zum Schwiegersohn wohl kaum ein körperlicher Aspekt zugesprochen
werden. Die Vermutung, Catull habe es quasi als Lückenfüller eingesetzt,
halte ich für unhaltbar, da die Gedichte Catulls überflüssiges
Schmuckwerk nicht enthalten und stets eine sehr genaue und einerseits emotionelle,
andererseits doch immer auch überlegte Darstellung seiner Gefühle
sind.
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