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| ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 | ||||||||||||||
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Wie schon erwähnt, wird der scharfe Gegensatz zwischen dem quondam
und dem nunc te cognovi in Zeile 5 deutlich. Gerade die Kürze dieser
Einleitung zeigt die extreme Gefühlslage Catulls. Verbittert und ernüchtert
erkennt er, wie sehr er sich in Lesbias Gefühlen geirrt hat. Auch der Chiasmus
zwischen dilexi tum und nunc cognovi drückt diese Erkenntnis
deutlich aus. Und in dem gleichen Maße, wie in der ersten Hälfte
des Gedichts der Unterschied zwischen Lesbias und Catulls Gefühlen ausgedrückt
wird, so zeigt sich in der zweiten Hälfte der Zwiespalt, in den Catull
geraten ist. Dieser Zweispalt wird gleich durch impensius und vilior
et levior angedeutet, bevor er zwei Zeilen später klar und deutlich
durch amare und bene velle das Gedicht zum Abschluß bringt.
Die Gegenüberstellung von zwei Begriffen gegen impensius ist durchaus
gewollt und aussagekräftig. Impensius mag gewöhnlich mit “in
größerem Maße” übersetzt werden, hat jedoch eine
zweifache Bedeutung, einerseits “schwerer”, andererseits “mit
größeren Kosten, teurer”. Und genau diesen beiden Aspekten
entsprechen levior (leichter) und vilior (billiger). “Vilior
et levior ist dann nicht etwa ein vager Ausdruck der Mißbilligung ...,
sondern eine genaue, wenn auch paradoxe, Paraphrase zu impensius”.
Diese erste Darstellung jedoch muß den Leser eher verwirren, als daß
sie ihm Klarheit verschafft. Was meint Catull damit, daß er einerseits
entflammt ist, andererseits aber Lesbia ihm weniger bedeutet? Wie kann dieser
Widerspruch erklärt werden? Qui potis es? (Die feminine bzw. maskuline
Form von potis muß uns hier nicht weiter verwundern, Catull benutzt wohl
aus metrischen Gründen eine alte Neutrum-Form, die auf die Dauer durch
Entfallen des s und Wandel des i zu pote wurde.) Catull nimmt diese Frage auf,
wobei er die Frage scheinbar Lesbia stellt, zu der er ja die ganze Zeit spricht.
Es darf allerdings angenommen werden, daß er die Frage auch sich selber
stellt, und auch die folgende Erklärung liefert zwar einen ersten Schritt
zur Antwort, doch vollständig kann Catull es weder sich noch seinem Leser
erklären. Er fühlt nur, daß diese iniuria ihn zu solch
gemischten Gefühlen zwingt. Auch am Ende des Gedichts taucht wieder der
Unterschied zwischen der leidenschaftlichen, jedoch physischen Liebe und der
emotionalen Zuneigung auf, wie schon zu Anfang des Gedichts der Unterschied
durch tenere und dilexi, so wird dieser Konflikt nun noch einmal
durch amare und bene velle dargestellt. “Die Flamme der
Leidenschaft, die die physische Seite seiner Liebe ausmacht, ist immer heißer
geworden, während seine geistige Achtung, die nicht-physische Seite, tiefer
und tiefer gesunken ist.”. Somit bringt Catull am Ende seines
Gedichtes seine Gedanken noch einmal klar zum Ausdruck, während er zugleich
das Leiden, das damit verbunden ist, dem Leser deutlich vor Augen führt.
Die iniuria zwingt ihn, so zu fühlen, ohne daß er sich dagegen
wehren kann. So wie Catull das Gedicht angefangen hat, indem er auf die frühere
schöne Zeit verweist, so beendet er das Gedicht mit dem negativen bene
velle minus, das noch einmal die Folgen des dicebas und der damit
verbundenen Heuchelei herausstellt. Zuletzt zeigt die Häufung der Komparative,
von impensius über vilior, levior und magis bis zu
minus, einerseits den Unterschied zum ersten Teil, doch noch viel mehr
die Emotionen Catulls. “Auch die Häufung der Komparative schließlich
verrät, wie sehr der Dichter Ausgewogenheit und Maß im Jetzt verloren
hat; denn der Bezugspunkt, der Positiv all der Steigerungen ... liegt nicht
in der zweiten Hälfte, sondern in dem entschwundenen glücklichen Einst
der ersten Hälfte.”
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