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Catullus, Gaius Valerius: Carmen LXXII

Description:  Die Auswahl der Gedichte, die mit carmen LXXII in Zusammenhang stehen, ist eine zugleich leichte und doch schwierige Aufgabe...
Author:Torsten Lorenz
deutsch
  
ISBN: 3351004567   ISBN: 3351004567   ISBN: 3351004567   ISBN: 3351004567 
 
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C. Valerii Catulli carmen LXXII


( unter spezieller Berücksichtigung voncarmen VIII und carmen LXXXV )





I. Einleitung


Die Auswahl der Gedichte, die mit carmen LXXII in Zusammenhang stehen, ist eine zugleich leichte und doch schwierige Aufgabe. Da fast alle Gedichte Catulls von seiner Beziehung zu Lesbia, viele vom Ende der Beziehung handeln, lassen sich ebenso viele mit dem Gedicht LXXII in Zusammenhang bringen. Als Beispiele seien hier nur die carmina LI, LXXV und LXXVI genannt. Mir erschienen die Gedichte VIII und LXXXV angemessen, da sie meiner Meinung nach den Wandel innerhalb der Gefühle Catulls zu Lesbia deutlich darstellen. Diesen Wandel darzustellen und zu untersuchen, soll insbesondere im letzten Abschnitt, dem Vergleich der drei Gedichte, Ziel dieser Arbeit sein. Besonders will ich das carmen LXXII in den Vordergrund stellen, da ich denke, daß es den entscheidenden Punkt innerhalb dieser Entwicklung markiert.
Eine nähere Betrachtung des Synonyms Lesbia und der Frage, welche Gedichte auf Lesbia bezogen sind, soll hier nicht erfolgen. In den drei vorliegenden Gedichten gehe ich aufgrund der bewegten und bewegenden Schilderung Catulls, wie auch die Sekundärliteratur allgemein, davon aus, daß Lesbia angesprochen ist.

II. Das carmen LXXII


Carmen LXXII, das mit zu den Abschiedsgedichten Catulls gezählt wird, drückt den Gefühlskonflikt aus, in dem sich Catull befindet. So ist auch das Gedicht voller Widersprüche: Catull unterscheidet zwischen dicebas und dilexi, also der bloßen Beteuerung und dem wirklichen Gefühl, zwischen tenere und dilexi, dem körperlichen und dem emotionellen Aspekt der Liebe, zwischen uror und es vilior, der Leidenschaft und der Vernunft, zwischen amare und bene velle, der Liebe und der Hochachtung. Diese Gegensätze werden schon zu Anfang des Gedichts deutlich, das zweite Wort quondam weist schon das Thema des Gedichtes aus, wobei dieses quondam nicht direkt als “einst”, also als ein Hinweis auf ein weit in der Vergangenheit liegendes Ereignis, zu verstehen ist, sondern vielmehr die deutliche Trennung zwischen dem, was gewesen ist, und dem, was Catull nun schmerzlich erfahren muß, symbolisieren soll. Das dem so ist, wird in Zeile 5 durch das nunc te cognovi deutlich. Durch diesen Ausdruck wird klar, daß es Catull nicht nur auf die Beteuerungen Lesbias ankommt, sondern vor allem auf seine damit verbundenen Gefühle.
Zu sehen ist dies auch in dem dilexi, wobei Catull selber dieser Ausdruck nicht exakt genug ist. Dies ist insbesondere im damaligen Zusammenhang zu verstehen, daß der romantische Aspekt der Liebe nicht in dem Maße betont wurde, wie in der heutigen Zeit, in der das Wort “lieben” den emotionellen Gesichtspunkt sehr viel stärker beinhaltet. Die antiken Leser konnten den Text und die Probleme Catulls somit nicht ausreichend verstehen. “Am Ende erweist sich der Ausdruck als Mißgriff. Es stand kaum zu erwarten, daß Catulls Zeitgenossen die richtigen Gedankenverbindungen herstellen würden. ... Man darf füglich daran zweifeln, daß Catull verstanden wurde - vielleicht deshalb, weil er selbst seine eigenen Gefühle nicht klar verstand.”. So ist auch die folgende Erklärung zu verstehen, in der Catull dieses dilexi näher beschreibt, er würde Lesbia nicht nur wie der vulgus lieben, sondern wie ein Vater seinen Sohn oder seinen Schwiegersohn. Bei der Übersetzung von vulgus tritt ein besonderes Problem auf. Eisenhut übersetzt es mit Pöbel, “Damals liebte ich dich, nicht so wie der Pöbel ein Liebchen ...”. Dieses Wort ist in der heutigen Zeit mit Herablassung behaftet, Catull geht es jedoch darum, seine Liebe klarer darzustellen, ohne die Liebe der anderen abzuwerten. Passend empfinde ich dagegen die Übersetzung von amica mit “Liebchen”, da es den Unterschied zwischen Catulls tiefer, inzwischen leidender, Liebe zu der allgemeinen, doch eher oberflächlichen Liebe gut ausdrückt.
Besonderes Augenmerk verdient auch die Beschreibung des dilexi als einer Liebe wie der eines Vaters zum Sohn oder eines Vaters zum Schwiegersohn, wobei ich besonders letzteres hervorheben möchte. Meiner Meinung nach irrt Kroll, wenn er vermutet, daß Catull “ohne Verszwang wohl nur die Kinder erwähnt hätte”. Vielmehr vermute ich, daß Catull seine Liebe auf eine vollkommen emotionale Stufe stellen wollte, er wollte sie von jeglichem physischen Aspekt lösen. Und während die Liebe des Vaters zu seinem Sohn ja noch durch die Blutsverwandtschaft erklärt ist, kann der Liebe zum Schwiegersohn wohl kaum ein körperlicher Aspekt zugesprochen werden. Die Vermutung, Catull habe es quasi als Lückenfüller eingesetzt, halte ich für unhaltbar, da die Gedichte Catulls überflüssiges Schmuckwerk nicht enthalten und stets eine sehr genaue und einerseits emotionelle, andererseits doch immer auch überlegte Darstellung seiner Gefühle sind.
  
Wanderungen durch die Mark Brandenburg II. Oderland. Barnim- Lebus (Gebundene Ausgabe)
von Theodor Fontane
Siehe auch:
Wanderungen durch die Mark Brandenburg, 8 Bde., Bd.5, Fünf Schlösser
von Theodor Fontane
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